Als Brandon McNulty im September 2026 in Montréal allein über die Ziellinie fuhr, war sein größter sportlicher Erfolg perfekt: Der 28-jährige Amerikaner wurde Straßen-Weltmeister. Rund 33 Kilometer vor dem Ende des gut 273 Kilometer langen Rennens hatte er die entscheidende Attacke gesetzt. Er behauptete seinen Vorsprung bis ins Ziel und sicherte sich das begehrte Regenbogentrikot. Für die Radsportfreunde in unserer Region lohnt sich dabei ein Blick zurück: Elf Jahre zuvor hatte McNulty bereits bei der Junioren-Friedensfahrt auf sich aufmerksam gemacht – auch auf der Etappe nach Zinnwald.

Die ersten Rennen in Arizona

Geboren wurde Brandon Alexander McNulty am 2. April 1998 in Phoenix im US-Bundesstaat Arizona. Zum Radsport kam er durch seinen Vater R. J., einen Software-Ingenieur und begeisterten Rennfahrer. Aus gemeinsamen Touren durch die Nachbarschaft wurden bald Ausfahrten auf unbefestigten Wegen und Mountainbike-Strecken. Mit etwa acht Jahren bestritt Brandon sein erstes Rennen. Er landete zunächst im Mittelfeld, wollte danach aber unbedingt trainieren und sich verbessern.

Mit elf oder zwölf Jahren zog es ihn zunehmend auf die Straße. Anfangs startete er sogar auf einem Mountainbike mit glatten Reifen bei Straßenrennen, bevor er ein richtiges Rennrad bekam. In Phoenix fuhr er bei großen Trainingsrunden mit, häufig als einziger Jugendlicher unter zahlreichen Erwachsenen. Sich mit den Älteren zu messen, machte ihm besonders viel Spaß. Abseits des Rades galt er dagegen als still und zurückhaltend – ein junger Sportler, der lieber mit Leistungen als mit großen Worten auffiel.

2015: Durchbruch bei der Junioren-Friedensfahrt

2015 gelang dem damals 17-Jährigen der internationale Durchbruch. Ein wichtiger Meilenstein war im Mai die Course de la Paix Juniors, die Junioren-Friedensfahrt in Tschechien und im deutsch-tschechischen Grenzgebiet. Hier traf McNulty auf starke europäische Nachwuchsfahrer, darunter den Norweger Tobias Foss, der später selbst Weltmeister im Einzelzeitfahren werden sollte.

McNulty überzeugte über mehrere Etappen hinweg: Zum Auftakt belegte er Rang drei, anschließend gewann er das Einzelzeitfahren der zweiten Etappe. Damit legte er den Grundstein für seinen Gesamtsieg. Auch auf der dritten Etappe von Teplice nach Zinnwald war er vorn dabei und wurde Zweiter. Am Ende stand der Amerikaner ganz oben auf dem Siegerpodest der Rundfahrt.

US-Juniorenmannschaft bei der Siegerehrung der Junioren-Friedensfahrt 2015 vor der Veranstaltungswand
Die US-Juniorenmannschaft bei der Siegerehrung der Junioren-Friedensfahrt 2015. Brandon McNulty gewann die Gesamtwertung der Rundfahrt.

Die Friedensfahrt blieb in diesem Jahr kein einzelner Höhepunkt. McNulty gewann auch die US-Juniorenmeisterschaft im Einzelzeitfahren, feierte zwei Etappensiege bei der Tour de l’Abitibi und holte bei der Junioren-Weltmeisterschaft in Richmond Bronze im Zeitfahren. Seine Stärke im Kampf gegen die Uhr und seine Konstanz machten ihn zu einem vielversprechenden Nachwuchsfahrer.

Vom ehrgeizigen Jungen aus Arizona über die Junioren-Friedensfahrt bis zum Straßen-Weltmeister: McNultys Laufbahn zeigt, welche Bedeutung internationale Nachwuchsrennen haben können. Wer ihn 2015 in Zinnwald erlebte, sah einen späteren Weltmeister – auch wenn damals noch niemand wissen konnte, wie weit sein Weg führen würde.