Willi Köhler – eine Legende der Landstraße der 1950er Jahre

Willi Köhler gehört zu den vergessenen Helden des frühen DDR-Radsports. Als Fahrer der Landesmannschaft Sachsen-Anhalt prägte er die DDR-Rundfahrten der 1950er Jahre – und schrieb zusammen mit seinem Bruder Dieter und Bernhard Wille ein Stück Sportgeschichte.

Erfolgreiche Anfänge im Radsport

Willi Köhler wurde am 29.05.1925 in Eisleben geboren. Bereits von 1941 bis 1943 war er als Jugendfahrer sehr erfolgreich. Nach seinem Kriegsdienst gelang ihm beim sportlichen Neuanfang 1949 der Gewinn der Kreismeisterschaft der Junioren.

Willi Köhler Anfang der 1950er Jahre
Willi Köhler Anfang der 1950er Jahre
Das erste Rennrad von Willi Köhler
Das erste Rennrad von Willi

Von 1951 bis 1956 nahm Willi insgesamt sechsmal an den DDR-Rundfahrten teil. Durch die Teilnahme der Nationalmannschaften der DDR, Ungarns und der ÇSSR erhielt die Rundfahrt 1951 den Beinamen „Friedensfahrt der Nationen“. Dies führte gelegentlich zu Verwechslungen mit der alljährlich im Mai ausgetragenen „Internationalen Friedensfahrt“.

Mannschaft Sachsen-Anhalt bei der DDR-Rundfahrt 1952
Die Mannschaft von Sachsen-Anhalt bei der DDR-Rundfahrt 1952: Horst Gaede, Dieter und Willi Köhler, Werner Hesse, Jochen Sauer und Kurt Hünerbein (von links)

Der große Erfolg von 1951

Neben den Nationalmannschaften gingen 1951 noch elf Sportvereinigungen an den Start. In dieser Kategorie gewann die kleinste SV-Mannschaft mit lediglich drei Fahrern sowohl die Mannschafts- als auch die Einzelwertung. Zum Team gehörten Willi Köhler, sein jüngerer Bruder Dieter sowie Bernhard Wille.

Willi und Dieter Köhler
Willi Köhler und sein jüngerer Bruder Dieter
Willi Köhler und Bernhard Wille
Willi Köhler und Bernhard Wille

Der vorgesehene vierte Fahrer, Heinz Schneikart, konnte krankheitsbedingt nicht teilnehmen. Die Gebrüder Köhler unterstützten den späteren Sieger Bernhard Wille maßgeblich.

Bahnschranke in Halle während eines Radrennens
Eine entscheidende Vorentscheidung fiel dabei an einer Bahnschranke in Halle. Bernhard Wille (rechts) und die Brüder Köhler überquerten mit etwas Glück die Bahngleise noch vor der runtergehenden Schranke.

Trainingsstützpunkt in Eisleben

Vermutlich führte dieser Erfolg dazu, dass in Eisleben unter dem Dach des Mansfeld-Kombinates ein Trainingsstützpunkt eingerichtet wurde. Auch Täve Schur ließ sich überzeugen, von Dezember 1952 bis September 1953 nach Eisleben zu ziehen, startete jedoch weiterhin für „Aufbau Börde Magdeburg“.

Erwähnenswert ist zudem, dass es in der DDR zu jener Zeit noch Lebensmittelkarten gab. Die Radsportler erhielten Zusatzmarken für Schwerarbeiter und nahmen am Kantinenessen des Kombinates teil.

Schwierigkeiten beim Nachwuchs

Der Trainingsstützpunkt wurde Ende 1953 wieder geschlossen. Ursache war vor allem der Mangel an Nachwuchsfahrern, während etablierte Fahrer wie Schatz und Terpe bei der BSG Buna verblieben.

Die Brüder Köhler gehörten zur Landesmannschaft Sachsen-Anhalt. Sie nahmen 1951 und 1952 jeweils im März am Trainingslager am Beetzsee bei Brandenburg zur Vorbereitung auf die Internationale Friedensfahrt teil, kamen jedoch nicht zum Einsatz.

Mannschaft Sachsen-Anhalt im Trainingslager
Die Mannschaft von Sachsen-Anhalt im Trainingslager. (Willi Köhler ist der 2. von rechts)

Erfolge über viele Jahre

Dennoch konnten die Brüder Köhler über viele Jahre hinweg beachtliche sportliche Erfolge erzielen. Soweit es mir möglich war, habe ich diese bereits früher dokumentiert.

Nach dem Ende seiner aktiven Laufbahn engagierte sich Willi Köhler in vielgestaltiger Weise: als Vorsitzender der damaligen Werksfeuerwehr, als Brandschutzinspektor im Mansfeld-Kombinat, als Leiter einer kleinen Tanzkapelle sowie in weiteren Bereichen von Kultur und Sport.

Täve Schur und Willi Köhler 1968
Täve Schur und Willi Köhler am 20.04.1968 in Leipzig bei einem Prominenten-Radrennen.
Willi Köhler und Günter Grau 2011
Willi Köhler (rechts) verfolgte im Alter von 86 Jahren zusammen mit dem damaligen Radsportpräsidenten des Landesverbandes von Sachsen-Anhalt, Günter Grau, das Radrennen „Rund um Höhnstedt“ am 04.09.2011.

Dokumente und Erinnerungen

Die verwendeten Bilder stammen aus einer CD, die Willis Leben und Wirken dokumentiert und ihm anlässlich eines Jubiläums überreicht wurde. Willi stellte mir diese CD freundlicherweise zur Verfügung.

Urkunde Landesverband Radsport Sachsen-Anhalt
Urkunde des Landesverbandes Radsport Sachsen-Anhalt für langjährige Mitgliedschaft
Kreismeister-Urkunde Radfahren 1949
Kreismeister im Radfahren – Lutherstadt Eisleben, 17. Juli 1949
Urkunde Kleine Friedensfahrt 1977
Anerkennung für die geleistete Arbeit bei der XX. Kleinen Friedensfahrt des Hauses der Jungen Pioniere, Eisleben, Juni 1977

Das Täve-Team möchte auch künftig an bekannte Radsportler früherer Zeiten erinnern. Am 11. Juli jährt sich der 70. Todestag des auf der alten B 80 nahe Höhnstedt tödlich verunglückten Erich Schulz, an den wir zu gegebener Zeit erinnern wollen.
Autor: Dr. Wolfgang Arendt

Ergänzung: Die verarbeiteten Quellen wurden durch Informationen von Täve Schur aus Heyrothsberge und Helmut Schaaf aus Halle ergänzt.